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Marco Jäggi



Sponsoring Marco Jäggi
Neben diversen regionalen Engagements im Bereich Sport- und Kultursponsoring hat sich die Biral AG entschlossen, den Ultramarathonläufer Marco Jäggi zu unterstützen. Im folgenden Bericht stellen wir Ihnen Marco, seine Ambitionen, Ziele und sein Hilfsprojekt H2O vor.

Marco Jäggi
Seine Jugend verbrachte Marco mit seinen Eltern und den beiden jüngeren Geschwistern in Jegenstorf. Sport hatte für ihn schon damals eine sehr grosse Bedeutung. Neben dem aktiven Fussballspielen beim Sportclub Jegenstorf begann er mit 12 Jahren auch mit dem Boxsport. Schon bald merkte er jedoch, dass er mehr Talent für die zweite Sportart mitbrachte. Durch eisernen Willen und grosse Disziplin holte er sich den Junioren-Schweizermeistertitel im Mittelgewicht. Später setzte Marco das Boxtraining fort, bestritt aber keine Kämpfe mehr. Mit 28 Jahren wechselte er endgültig zum Laufsport und schaffte es auf Anhieb, einige Marathons zu finishen. Schon bald suchte er nach einer grösseren Lauf-Herausforderung und so konnte er nach einigen absolvierten Training-Ultras seinen ersten 100er bewältigen – damit hatte ihn das Ultra-Lauffieber endgültig erwischt. Als Ausgleichssportarten kamen Schwimmen und der Radsport dazu. Heute kann er sich als begnadeter und leidenschaftlicher Ultraläufer bezeichnen, der ständig auf der Suche nach neuen Projekten und Herausforderungen ist.

Steckbrief
Name: Marco Jäggi
Zivilstand: verheiratet, 3 Kinder
Beruf: Inhaber Ingenieurbüro in Jegensdorf, Fachlehrer an der GIBB Bern und am Berufsbildungszentrum IDM Thun 

Marathon des Sables 2016
Der Marathon des Sables gilt als einer der schwersten Extremläufe der Welt. Etwa 250 Kilometer legen die rund 850 Teilnehmer aus der ganzen Welt quer durch die marokkanische Sahara zurück. Über Geröll, durch Dünen, Flussbette und vorbei an staunenden Beduinen gehen die meisten Läufer dabei an ihre Grenzen. Insgesamt sechs Etappen laufen sie in einer Woche, die gesamte Verpflegung haben sie im Rucksack dabei. Nur das Wasser wird an den Verpflegungsstationen gestellt. Nach bis zu 50 Grad in der prallen Sonne schlafen die Teilnehmer nachts bei drei bis fünf Grad unter Zeltplanen oder unter freiem Himmel. Eine Extrem-Tour, die Geist und Körper fordert.
 
 
Interview mit Marco Jäggi

Im April steht der Marathon des Sables in der Sahara auf deinem Programm. Der Discovery Channel hat das Rennen zum «toughest footrace on earth» ernannt. Wie kommt man auf die Idee, sich dafür anzumelden?

Es ist jetzt ziemlich genau 3 Jahre her, als ich das erste Mal einen Bericht über den MdS im Fernsehen sah. Irgendwie war es Liebe auf den ersten Blick. Es faszinierte mich unheimlich, wie «normale» Menschen es schaffen, scheinbar unüberwindbare Hindernisse zu bezwingen. In dieser Dokumentation humpelten die Teilnehmer am Abend zuvor im Camp herum und am nächsten Morgen liefen dieselben nach dem Startschuss wie Gazellen los. Wie ist das möglich, fragte ich mich damals. Heute weiss ich, dass es nur mit der inneren Einstellung zu tun hat. Als ich danach noch weitere Berichte las, war es definitiv um mich geschehen. Ich bin ein Typ, der Herausforderungen sucht, damit ich an ihnen wachsen kann. So bin ich irgendwie immer auf der Suche nach neuen spannenden Projekten. Eines aber ist zu sagen, es müssen nicht nur sportliche Abenteuer sein, obwohl diese momentan «etwas» überwiegen. Mit der Anmeldung an meinem 39. Geburtstag zum MdS 2016 habe ich mir mein Geburtstagsgeschenk gleich selber gemacht. Das Verlassen der Komfortzone, die grosse Abenteuerlust, Grenzen erfahren und immer wieder verschieben können und den Teamspirit während eines solchen Rennens einmal erleben zu dürfen, sind die Hauptgründe, die mich letztlich zu einer Anmeldung am «härtesten» Rennen der Welt bewogen haben.



Gerade bist du aus deinem Trainingslager zur Vorbereitung auf den Marathon des Sables zurückgekommen. Wie ist es gelaufen und welche Erfahrungen hast du gemacht?

Vieles hat gepasst und einiges muss ich zwingend noch optimieren und überdenken. Mein abwechslungsreiches Training, im Speziellen das Querfeldein-Laufen in den letzten Monaten, hat sich aus meiner Sicht absolut bewährt. Das Laufen im Sand ist, was die Beanspruchung der Muskulatur angeht, diesem ziemlich ähnlich. Nebst dem Recovery-Drink, den ich nach jeder Belastung zu mir nahm, ist vermutlich dieses spezielle Training der Hauptgrund, weshalb sich meine Beine am nächsten Tag fit und erholt anfühlten. Eine weitere wichtige Erkenntnis ist, dass es absolut zwecklos ist, die Geschwindigkeit im Sand möglichst hoch zu halten. Hier gilt es, den Energiesparmodus einzuschalten. Bist du nur ein wenig zu schnell unterwegs, merkst du sofort, wie es dir buchstäblich die Energie aus den Adern saugt. Deshalb lautet mein Motto für den tiefen Sand: «Take it easy!» Zur Prävention gegen Blasen an den Füssen ist es ratsam, die mit Sand gefüllten Schuhe stetig zu leeren. Der Sand lagert sich in der Schuhspitze ab und erzeugt dadurch Druckstellen im Zehenbereich. Es lohnt sich da also wirklich, sich fürs Leeren die nötige Zeit zu nehmen. Da ich täglich bis zu 6 Stunden unterwegs war, verbrauchte ich einiges an Energie. Diese musste ich teilweise während des Laufens und vor allem am Abend wieder zu mir nehmen. Da kam einiges zusammen. Um während des Laufs in der Wüste Gewicht zu sparen, sind auf meiner aktuellen Nahrungsliste nur sehr energiereiche Nahrungsmittel aufgelistet. Ob der geplante Kalorienbedarf von ca. 3300 kcal/Tag ausreichen wird, bin ich mir nun plötzlich nicht mehr ganz so sicher. Das muss ich nochmals checken.

Während des Marathons müsst ihr das komplette Equipment für Kochen, Schlafen, Kommunikation, erste Hilfe und Verpflegung im Rucksack mitnehmen. Ich würde jetzt wahrscheinlich mit einem Rucksack von etwa 25 – 30kg unterwegs sein. Wie sieht das bei dir aus? Das Gewicht spielt ja eine grosse Rolle.

Hier rechnet man nicht in 100g -, auch nicht in 10g-Schritten, sondern in einzelnen Gramm. Das heisst also: Verzichte auf alles, worauf du irgendwie verzichten kannst! Gemäss den MdS-Richtlinien muss das Rucksackgewicht im Bereich zwischen 6.5 kg und 15 kg liegen. Es gilt also, möglichst nahe an dieses Minimum heranzukommen. Deshalb ist aus meinem Gepäck beispielsweise der Notkocher verschwunden, die Zahnbürste musste auf ihren Originalstiel verzichten, die Schlafmatte misst nur 1.20m, Feuchttücher werden vorher getrocknet, Toilettenpapier wird blattweise abgezählt usw. Obwohl ich grösstenteils gefriergetrocknetes Essen mit sehr hoher Energiedichte zu mir nehmen werde, kommt allein dafür gegen 4.5kg, Nahrung zusammen. Auch die Ersatz-Laufbekleidung musste über die Klippe springen. So wie das die meisten machen, werde auch ich während den 7 Renntagen immer mit derselben Laufbekleidung unterwegs sein. Leider bin ich heute trotzdem noch nicht bei dem für mich idealen Rucksackgewicht von 8kg angelangt. So bleibt mir nichts anderes übrig, als weiter schwerere durch leichtere Materialien zu ersetzen, Unnötiges auf der Packliste herauszustreichen und auf jeglichen Komfort zu verzichten.



Du betreibst dein Training weitestgehend allein: Wie schaffst du es, dich immer wieder zu motivieren und deine Trainingspläne umzusetzen?

Das klar definierte Ziel, gepaart mit einem ausgeklügelten Trainingsplan, sind für mich die wichtigsten Elemente, um die Motivation ständig hochzuhalten. Ich habe mit mir einen «inneren Vertrag» abgeschlossen, der festhält, dass ich unter der Woche zwar Trainings beliebig schieben darf, aber die Anzahl der Kilometer/Stunden zwingend einzuhalten sind. Es ist auch für mich nicht immer ganz einfach, den Trainingsplan jeden Tag konsequent umzusetzen. Heute beispielsweise musste ich um 09.15 Uhr in Zürich sein und der Abend war auch bereits ausgebucht. Also blieb mir nichts anderes übrig, als die Trainingseinheit von 2.5 Stunden in die frühen Morgenstunden zu verlegen. Konkret hiess das, dass ich um 04.15 Uhr losgelaufen bin.

In Marokko stehen dir umgerechnet fünfeinhalb Marathons in sechs Tagen bevor und zusätzlich eine Charity-Etappe für Unicef oben drauf. Engagierst Du dich selbst auch für ein wohltätiges Projekt? Welche Themen und Projekte liegen dir besonders am Herzen?

Ich erachte es als riesiges Privileg, dort überhaupt dabei zu sein. Neben dem sportlichen Sinn war für mich schon immer klar, dass ich diesem Projekt einen erweiterten Sinn verleihen wollte. Deshalb möchte ich diese Plattform auch nutzen, um denjenigen Menschen zu helfen, die es wirklich nötig haben. Bereits vor einigen Monaten habe ich deshalb eine Helvetas-Sammelaktion eingerichtet. Dieses Geld wird dazu verwendet, im westafrikanischen Staat Benin ein funktionierendes Trinkwassersystem aufzubauen. Das umfasst konkret den Trinkwasserbrunnenbau in Schulen und Gesundheitszentren, den Bau von sanitären Anlagen sowie die Schulung der Menschen im Umgang mit Wasser und Hygiene. Bei der Wahl des Sozialprojekts waren für mich zwei Hauptaspekte ausschlaggebend. Zum einen war es mir wichtig, dass ein gewisser Bezug zwischen meinem Lauf und dem Charity-Projekt besteht. Das gewählte Projekt findet auf demselben Kontinent statt und Wasserknappheit ist an beiden Orten omnipräsent. Da ich langjähriger Kiwaner bin und das Kiwanis-Motto «Serving the Children of the World» lautet, war mir zudem klar, dass es in erster Linie auch Kindern zu Gute kommen soll. Mit dem Bau von Trinkwasseranlagen mit Prioritär-Standorten in Schulen wird auch dieser Aspekt erfüllt. Mein Ziel ist es, den Trinkwasserzugang für 300 Schulkinder zu gewährleisten. Dazu sind 9000 Franken nötig. Erfreulich ist, dass ich bereits vor Reiseantritt mein Spendenziel erreicht habe!

Gibt es einen weiteren Extrem-Marathon, an dem du teilnehmen möchtest?

Ja, das gibt es. Ich lese immer wieder sehr inspirierende Erlebnisberichte oder unterhalte mich mit anderen Ultraläufern über besondere Läufe. So kommen einige spannende Ideen zusammen… Wie im Wettkampf fokussiere ich mich aber auch hier immer nur auf den nächsten Schritt. Dieser und nicht der übernächste ist es, der mich letztlich ein Stück weiterbringt. Die Ideen sind also zwar da, aber momentan nicht abrufbar. Ab dem 16. April sieht das dann vermutlich etwas anders aus.

Vielen Dank für das Interview. Wir wünschen Dir viel Glück am Marathon des Sables 2016.



Verfolgen Sie Marco Jäggi am Marathon des Sables: im-sand.ch